Eine der aktuellsten gesamtkirchlichen Entwicklungsprozesse in
Deutschland ist der am 01. Dezember 2019 eröffnete „Synodale Weg“.
Entstanden ist dieser in Reaktion auf den „Missbrauchsskandal“ und die
zunehmende Entfremdung der Gesellschaft von der röm.-katholischen Kirche
auf Initiative der deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des
Zentralkomitees deutscher Katholiken (ZdK). In mehreren Diskussionsforen
sollen innerhalb von drei Jahren verschiedene kirchenpolitisch
relevante Themenfelder diskutiert und Arbeitspapiere erstellt werden,
deren Ergebnisse die Grundlage eines Erneuerungsprozesses in der
röm.-katholischen Kirche anstreben. Das dritte Synodalforum „Frauen in
Diensten und Ämtern in der Kirche“ beleuchtet dabei die Partizipation
von Frauen in Ämtern und Diensten unter den gegenwärtigen Bedingungen
des Kirchenrechts. Darüber hinaus setzt es sich mit Thematiken der
Geschlechteranthropologie und Genderfragen auseinander und analysiert
die theologische Argumentation der Teilhabe von Frauen am sakramentalen
Ordo.Das Seminar setzt einen inhaltlichen Fokus auf die Thematisierung
des Istzustands in der Auseinandersetzung mit der sogenannten
‚Frauenfrage‘ und sichtet dabei theologische, kirchenpolitische sowie
feministische Positionierungen. Eine Leitfrage, die dabei im Fokus
steht, ist die Frage nach dem Geschlechterverhältnis in der
röm.-katholischen Kirche des 21. Jahrhunderts. Im röm.-katholischen
Diskurs ist die Frage nach Gleichberechtigung weiterhin geprägt von
Widersprüchlichkeiten: Einerseits soll die anthropologische und
schöpfungstheologische ‚Würde‘ der Frau etabliert werden, andererseits
wird die Frau aus sämtlichen Ämtern ausgeschlossen. Die lehramtlichen
Verkündigungen und Statements der röm.- katholischen Kirche sind zum
Teil einander konkurrierend oder überlagernd im Hinblick auf die
Wahrnehmung und Thematisierung des Geschlechterverhältnisses. „Der Mann
ist das Normal-Maß, die Frau die Abweichung“, so heißt es in Christiane
Florins „Weiberaufstand“. Wie wirkt sich dieses Geschlechterverständnis
auf die Frage nach der Weihe von Frauen aus? Wie wird „das Weibliche“ in
den lehramtlichen Schriften dargestellt und welche Auswirkungen bringt
dieses Bild mit sich? Dabei sollen im Laufe des Seminars keine
stigmatisierenden oder charakterisierenden Bilder von „den Frauen“ oder
„der Weiblichkeit“ festgelegt, sondern ein Fokus gesetzt werden auf die
Kontroversen, die die aktuellen Geschehnisse mit sich bringen. Ebenso
lässt sich dahingehend untersuchen, inwiefern die aktuellen Forderungen
wirkungsvoll thematisiert werden, ob die Reformbestrebungen, die sich
innerhalb Deutschlands aufgetan haben, zu einer Spaltung der Kirche
führen oder tatsächlich dazu befähigen können strukturelle
Umwälzungsprozesse in der röm.-katholischen Kirche auszulösen, um ein
partnerschaftliches und gleichberechtigtes Miteinander zu garantieren.
- Trainer/in: Lia Alessandro