Maria ist eine vieldeutige Figur christlicher Frömmigkeitsgeschichte; sie ist in der systematisch-theologischen Familienaufstellung zugleich nahe am Zentrum und doch lateral positioniert; sie ist im Übermaß beanspruchte Gestalt religiöser Imagination. Das alles macht sie in einer schwer bestimmbaren, aber eben doch faktisch gegebenen Weise ikonographisch attraktiv. Die Vorlesung will dieser Konstellation nachgehen – nicht entlang der mariologischen Dogmenentwicklung, sondern in exemplarischer Inblicknahme der kunstgeschichtlichen Visualisierungen eines marianischen Mythos – von der Kindheit Mariens, über ihre Beanspruchung für die Heilsgeschichte, ihre Begleitung ihres Sohns in den Tod und durch ihn hindurch zur Auferstehung, bis hin zu ihrem eigenen Tod und ihre Aufnahme in den Himmel. Vorgeschaltet wird dem eine Einleitung zum Verhältnis von Theologie und Bildtheorie.