Menschen leben in Kulturen und nie außerhalb von ihnen. Kulturen kommen nur im Plural vor. Im Zeichen der Herausbildung einer Weltgesellschaft ist die Begegnung zwischen den Kulturen kein bildungsbeflissenes Luxusgeschehen mehr, sondern schlichte (Über‑)Lebensnotwendigkeit. All das ist heute selbstverständlich. Man könnte sagen, das Faktum der Interkulturalität ist eine Selbstverständlichkeit geworden. Andererseits geht die Herausbildung der Weltgesellschaft als Globalisierung mit vielfältigen Formen ökonomischer, politischer, ethnischer und religiöser Konflikte einher. Zudem haben die Religionen ihr Verhältnis zu den Kulturen keineswegs geklärt. Das gilt auch für das Christentum: Nicht nur wird um eine „Wert-Hierarchie der Kulturen“ gestritten, sondern auch um die Frage, ob das Christentum überhaupt ein Verhältnis zur Kultur schlechthin habe oder nicht doch etwas unvergleichlich anderes sei. Vor dem Hintergrund will diese im Rahmen von „Theologie Interkulturell“ angebotene Lehrveranstaltung den Ansatz zu einer genuin theologischen Begründung von Kultur und Interkulturalität bieten. Das theologoumenon der Inkarnation wird dabei als fundamentales Paradigma sowohl zur theologischen Erschließung von Kultur als auch zur dogmatischen Vernetzung dieser Erschließung mit den wesentlichen Gehalten des christlichen Glaubens verstanden und vorgestellt.