Konzilien sind Herrschaftsinstrumente. Auf ihnen wird sichtbar, wer das Sagen in der Kirche hat und wer in der Kirche nichts zu sagen hat. Wir erfahren, was die Kirche zu sagen hat und wie stark dieses "was" mit den politischen und gesellschaftlichen Kontexten einer Zeit verknüpft ist. Zugleich fixieren Konzilien zeitungebunden den Glauben der Kirche. Sie sind im hohen Maße kirchen- und weltbezogene Kommunikationsgeschehnisse. Wenn ein Konzil tagt, schaut die Welt zu: gleichermaßen sorgen- wie hoffnungsvoll. Nicht weniger sorgen- und hoffnungsvoll registrieren Amtsträger und "einfache" Gläubige das Konzilsereignis. Was hier passiert, ist nicht immer das, was zunächst gewollt war. Von all dem wird die Vorlesung handeln. Zunächst wird erläutert, was ein Konzil ist bzw. zu sein beansprucht. Die altkirchenlichen Konzilien werden in ihrer dogmatischen Bedeutung vorgestellt. Bei den Kirchenversammlungen des Mittelalters steht stärker der konfliktbeladene Führungsanspruch in der Kirche zwischen den zunächst sich komplementär verstehenden Größen "Papst" (geistliche Gewalt) und "Kaiser" (weltliche Gewalt) im Fokus. Die wenigen Konzilien der Neuzeit versuchen eine defensiv-freundliche bzw. angriffslustig-feindliche Verortung in einer Welt, die jeweils, gemessen am Selbstverständnis der Kirche, fremd geworden ist. Die Vorlesung ermöglicht einen themenfokussierten Gesamtüberblick über die 2000jährige Geschichte der Kirche.