Das einflussreiche "Handbuch religionswissenschaftlichen Grundbegriffe" (hg. von H. Cancik, B. Gladigow und K.- H. Kohl, 1988) erklärte den religionsphänomenologischen Ansatz für wissenschaftlich überholt.

Die Lage hat sich inzwischen geändert, da im angelsächsischen Kontext wieder vermehrt an religionsphänomenologische Ansätze angeknüpft wird.

In neueren Ansätzen der Religionsphänomenologie werden die Geschichtlichkeit und die Kontextualität stärker als in den klassischen Ansätzen berücksichtigt. In der systematischen Religionswissenschaft hat inzwischen eine Rehabilitierung der Innenperspektive und der Intentionsforschung und eine Problematisierung der Verabsolutierung des objektivierenden Denkens statt gefunden. Auch in der Religionspädagogik besinnt man sich wieder auf phänomenologische Zugangsweisen und selbst in der anglophonen postanalytischen Philosophie und der Cognitive Science of Religion kommt es zu einer gewissen Rezeption phänomenologischer Zugangsweisen. Dennoch sieht sich die Religionsphänomenologie vor allem in der deutschsprachigen religionswissenschaftlichen Methodendiskussion nach wie vor an den Rand gedrängt. In diesem Seminar sollen zunächst die bedeutendsten klassischen und im Anschluss daran neuere religionsphänomenologische Ansätze vorgestellt und diskutiert werden. Auch die Kritik an der Religionsphänomenologie soll gebührend berücksichtigt werden.