Die andine Religiosität ist geprägt von vor-spanischen einheimischen Weisheitstraditionen, dem iberischen Volkskatholizismus und Elementen befreiungstheologischer Praxis. In letzter Zeit machen sich immer mehr Kirchen neu-pfingstlerischer Ausprägung mit einer „Theologie des Wohl-stands" bemerkbar. Außerdem ist in den meisten Andenländern eine Renaissance der autochthonen Religiosität und Spiritualität festzustellen.

Was bedeuten diese Elemente für eine interkulturelle Dekonstruktion der (europäischen) Theologie? Ist die Konzeption von ‚Theologie' überhaupt auf andere Kulturräume übertragbar? Wie steht es mit der interkulturellen Übertragbarkeit theologischer Begrifflichkeit (diatopische Hermeneutik)?

Was bedeutet denn eine „Entkolonialisierung" von Kirche und Theologie, wie sie zum Beispiel in Bolivien gefordert wird? Wie sieht die interkulturelle Transformation der Befreiungstheologie im 21. Jahrhundert aus? Welche Herausforderungen an die europäische akademische Theologie stellen die Ansätze einer Andinen Theologie? Ist die christliche Theologie unweigerlich an das hellenistische Gedankengut gebunden (Benedikt XVI.), oder vermag sie sich in nicht-abendländische Philosophien zu „interkulturieren"?