Die Rede von „der" Religion in den Religionen ist keineswegs selbstverständlich, da viele Religionswissenschaftler heute aus unterschiedlichen Gründen auf den Gebrauch des umstrittenen Religionsbegriff verzichten und lieber von Religionen sprechen, denen nicht sofort ein empirisch nicht überprüfbarer gemeinsamer Kern unterstellt werden darf. Im Rahmen einer rein empirisch fundierten  Religionenwissenschaft stehen dann die unterschiedlichen Religionen unverbunden und unvergleichbar nebeneinander, was die Tendenz zur Spezialisierung und Fragmentierung dieser Disziplin „nach dem Verlust ihres Gegenstandes" (F. Stolz) fördert. Die Grundfrage „Was ist Religion?" muss daher gleich am Anfang seiner Untersuchungen stellen, wer in einer Zeit der Destruktion des Religionsbegriffes dennoch gut begründet verstehende und vergleichende Religionsforschung betreiben will. Gibt es überhaupt „die" Religion in den Religionen? Unter Rückgriff auf Religionsbestimmungsversuche aus unterschiedlichen Disziplinen und Kulturen wird in dieser Vorlesung eine Antwort auf diese, für den aktuellen Streit um die Religion zentrale Frage zu geben versucht.